Finanzberater in Köln Sergij Titarcuk

Wichtigste Änderungen 2012

Wichtigste Änderungen 2012

Das neue Jahr bringt viele Neuerungen für Verbraucher. Sergij Titarcuk erklärt, was sich 2012 bei Gesundheit, Pflege und Rente ändert.

Gesundheit: Kronen und Zahnbrücken werden teurer

► Gesetzliche Krankenkasse: Die Beitragsbemessungsgrenze steigt im Jahr 2012 von 3712,50 Euro auf 3825 Euro im Monat.

Die Versicherungspflichtgrenze klettert von 49 500 auf 50 850 Euro im Jahr.

► Private Krankenkasse: Viele Versicherer haben zum Jahreswechsel zum Teil drastische Beitragserhöhungen angekündigt.

► Insolvenz einer Krankenkasse: Nach dem Versorgungsstrukturgesetz müssen Krankenkassen ihre Kunden acht Wochen vor der Schließung über eine drohende Insolvenz informieren und im Fall des Falles beim Krankenkassenwechsel unterstützen.

► Zahnersatz: Gesetzlich versicherte Patienten werden in erster Linie für Kronen, Brücken und Prothesen mehr zahlen müssen. Grund: Die Kasse übernimmt nur die Kosten für die sogenannte Regelversorgung nach dem Bewertungsmaßstab zahnärztlicher Leistungen (BEMA). Darüber hinausgehende Behandlungen kann der Zahnarzt nach der Gebührenordnung für Zahnärzte (GOZ) abrechnen.

Privatversicherte werden generell mehr zahlen müssen, denn bei ihnen rechnen Dentisten ausschließlich nach der GOZ ab.

► Trinkwasser: Nach der Novelle der Trinkwasserverordnung (TVO), die bereits seit 1. November 2011 in Kraft ist, müssen Vermieter von Mehrfamilienhäusern mit einer zentralen Wassererwärmung jedes Jahr prüfen, ob ihre Warmwasseranlagen frei von Legionellen sind.

Pflege: Höhere Sätze für ambulante Versorgung

► Familienpflegezeit: Beschäftigte, die einen Angehörigen pflegen, können ihre wöchentliche Arbeitszeit für die Dauer von zwei Jahren auf bis zu 15 Stunden pro Woche reduzieren, ohne allzu hohe Gehaltseinbußen in Kauf nehmen zu müssen. Aber: Gesetzlich verpflichtet, dem Arbeitnehmer Familienpflegezeit einzuräumen, ist der Arbeitgeber nicht.

► Pflegestufen: Die Sätze für die Versorgung durch ambulante Pflegedienste werden angehoben:

– Pflegestufe I von 440 auf 450 Euro im Monat,

– Pflegstufe II von 1040 auf 1100 Euro im Monat,

– Pflegestufe III von 1510 auf 1550 Euro im Monat.

► Pflegegeld: Bei Pflege zu Hause (ambulant) erhöht es sich in Pflegestufe I und II um 10 Euro auf 235 und 440 Euro. In Pflegestufe III gibt’s künftig 700 Euro pro Monat. Bei Heimbetreuung bleiben die Sätze für die Pflegestufen I und II unverändert. Für die Leistungen in der Tages- und Nachtpflege sowie in der Kurzzeit- und Verhinderungspflege stehen jeweils 40 Euro mehr zu Verfügung, insgesamt 1550 Euro monatlich. Das gilt auch für die Leistungen in der stationären Pflege für Pflegebedürftige der Stufe III.

Rente: Altersgrenzen werden stufenweise angehoben

► Beiträge: Die Rentenbeitragssätze sinken von 19,9 auf 19,6 Prozent.

Die Beitragsbemessungsgrenze steigt auf 67 200 Euro pro Jahr oder 5600 Euro im Monat (im Osten 57 600 Euro pro Jahr oder 4800 Euro im Monat).

► Rente mit 67: Die Altersgrenzen in der gesetzlichen Rentenversicherung werden stufenweise erhöht. Wer 1947 und später geboren wurde, für den steigt das reguläre Renteneintrittsalter von Jahrgang zu Jahrgang um einen Monat, sodass die 1964 und später Geborenen erst ab 67 Jahren die Regelaltersrente ohne Abschlag erhalten können.

► Witwen-/Witwerrente: Die sogenannte große Witwen- und Witwerrente (je nach Alter bei Eheschließung bzw. Jahr der Eheschließung 55 bis 60 Prozent der Rente des Verstorbenen) wird ebenfalls schrittweise angehoben. 2012 muss der Ehepartner bereits 45 Jahre und einen Monat alt sein, um einen Anspruch zu haben.

Grunderwerbsteuer erhöht sich in Berlin auf 5 Prozent

►Minibetriebsrente: Wer eine Betriebsrente von insgesamt weniger als 131,25 Euro im Monat erhält, muss auch als gesetzlich versicherter Rentner keine Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträge darauf abführen – auch wenn die Betriebsrente teilweise vom Betrieb und teilweise privat finanziert wurde.

►Hausfrauen-Verträge: Die sogenannten Nullverträge bei der Riester-Rente, auch als „Hausfrauen-Verträge“ bezeichnet, wurden abgeschafft. Es muss immer ein Eigenbetrag von mindestens 60 Euro eingezahlt werden. Das betrifft vor allem Ehepartner von Erwerbstätigen.!

►Riester-Rente: Für alle ab dem 1. Januar 2012 abgeschlossenen Riester-Verträge darf die erste Rentenzahlung nicht mehr vor dem 62. Lebensjahr erfolgen – sonst gehen staatliche Förderung und mögliche Steuervorteile verloren. Dies gilt auch für die Altersvorsorge über Wohn-Riester.

►Rürup-Rente: Auch wer ab 1. Januar eine staatlich geförderte Rürup-Rente abschließen und seine Einzahlungen in den Rürup-Renten-Sparplan steuersenkend geltend machen möchte, muss sich auf den neuen Auszahlungsbeginn mit 62 Jahren einstellen.

►Höhere Sonderausgaben: Rürup-Sparer können wieder einen höheren Betrag als Sonderausgaben von der Steuer absetzen. Im nächsten Jahr beträgt er 74 Prozent der Beiträge in die Rürup-Rente. Wer als Single den maximal geförderten Beitrag von 20 000 Euro in die Rürup-Rente einzahlt, kann somit 14 800 Euro als Sonderausgaben geltend machen. Für Verheiratete sind es 40 000 Euro Einzahlung und 29 600 Euro Sonderausgaben.

►Betriebliche Altersvorsorge: Arbeitnehmer haben das Recht auf eine Betriebsrente per Gehaltsumwandlung. Der Staat fördert das durch den Verzicht auf Steuern und Sozialversicherung. 2012 steigt die Bezugsgröße auf 67 200 Euro. Damit müssen für Einzahlungen bis 2688 Euro keine Abgaben gezahlt werden.

Auto: Geld sparen mit einem Nummernschild für zwei Autos

►Kfz-Steuer: Sie wird für Neuwagen nach einem neuen CO2-Grenzwert berechnet. Steuerfrei ist dann nur noch ein CO2-Ausstoß bis 110 Gramm pro Kilometer. Für jedes Gramm mehr fallen zwei Euro an – zusätzlich zum Sockelbetrag, der sich aus Kraftstoffart und Hubraum ergibt. Für Autos, die bis 31. Dezember 2011 erstmals zugelassen werden, gilt noch ein steuerfreier CO2-Grenzwert von 120 Gramm pro Kilometer.

►Wechselkennzeichen: Ab Sommer können zwei Fahrzeuge auf ein Nummernschild zugelassen werden. Das sogenannte Wechselkennzeichen spart Versicherungsprämie. Beide Fahrzeuge müssen aber der gleichen Kfz-Klasse angehören.

►Infos auf Autoreifen: Hersteller müssen ab November 2012 besser über ihre Reifen informieren. Kunden werden insbesondere erfahren, ob der Pneu den Treibstoffverbrauch des Autos erhöht. Dazu erhalten alle Reifen, die das Fließband nach dem 30. Juni 2012 verlassen, ein Label mit einer Skala vom grünen „A“ für die beste bis zum roten „G“ für die schlechteste Energieeffizienz. Offengelegt wird künftig zudem, wie der Reifen auf der Straße haftet und mit wie viel Lärm er rollt (gemessen in Dezibel). Die Neuerungen gelten auch für Leichttransporter und Lkw-Reifen.

►Rußfilter: Wer sein Dieselfahrzeug nachträglich mit einem Partikelfilter ausrüstet, soll dafür wieder einen Zuschuss von 330 Euro vom Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (www.bafa.de) erhalten. Die Förderbedingungen stehen aber noch nicht fest.

Haus: Weniger Zuschüsse für Solaranlagen und Wohneigentum

►Grunderwerbsteuer: Ab dem 1. April 2012 wird die Grunderwerbsteuer in Berlin auf 5 Prozent erhöht. Wer den Kaufvertrag noch vor dem Jahreswechsel unterschreibt, zahlt den bisherigen Satz von 4,5 Prozent.

►Solarförderung: Die staatliche Förderung für neu errichtete Fotovoltaikanlagen sinkt um ca. 15 Prozent. Für Neuanlagen bis 30 kW, die den erzeugten Strom ins Netz einspeisen, erhalten Investoren nur noch 24,45 Cent (bisher 28,74 Cent) je kWh.

►Modernisierung: Die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW-Bank) fördert keine Modernisierungen mehr und auch im Programm „Altersgerecht umbauen“ gibt es keine Zuschüsse mehr. Die Förderkredite werden teurer. Das besonders günstige Programm „Energetisches Sanieren“ wird dagegen fortgesetzt.

►Immobilienkauf: Im Programm „Wohneigentum“ der KfW-Bank gibt es nur noch bis zu 50 000 Euro Kredit. Dafür fällt die Begrenzung auf 30 Prozent der Anschaffungskosten weg.

Versicherung: Garantiezins sinkt bei Neuverträgen auf 1,75 Prozent

►Garantiezins: Der vom Bundesfinanzministerium festgelegte Garantiezins für klassische private Renten und Lebensversicherungen sinkt für Neuverträge von 2,25 auf 1,75 Prozent.

►Unisex-Tarife: Versicherungsgesellschaften dürfen Frauen und Männern ab 21. Dezember 2012 neue Verträge nur noch zu gleichen Preisen anbieten.